Produktlabel

Mehr als 1000 verschiedene Produktlabel, Siegel und Umweltzeichen kennzeichnen Produkte in Deutschland. Neben rechtlichen Vorgaben zur produktbezogenen Information und Kommunikation nutzen Unternehmen zahlreiche freiwillige Kennzeichnungen und Umweltaussagen, um auf besondere Vorteile ihrer Produkte hinzuweisen. Solche Informationen können Nutzer*innen bei Kaufentscheidungen unterstützen – vorausgesetzt, sie sind nachvollziehbar, überprüfbar und glaubwürdig.

Für die Design- und Kommunikationspraxis ist entscheidend: Nicht jedes Label und Siegel bietet dieselbe Aussagekraft. Es macht einen erheblichen Unterschied, ob ein Zeichen auf einem unabhängigen Zertifizierungssystem beruht oder ob es sich um einen selbsterklärten Umweltanspruch des Unternehmens handelt.

Produktlabel unterscheiden sich unter anderem in folgenden Punkten:

  • Branche: branchenübergreifend oder branchenspezifisch
  • Inhaltliche Ausrichtung: Fokus auf Umweltaspekte, soziale Aspekte oder ganzheitliche Nachhaltigkeit
  • Lebenswegbezug: Berücksichtigung einzelner oder mehrerer Phasen des Produktlebenszyklus
  • Produktbezug: Aussage zum Gesamtprodukt oder nur zu einzelnen Inhaltsstoffen, Materialien oder Eigenschaften
  • Reichweite: regionale, nationale oder internationale Gültigkeit
  • Anforderungsniveau: unterschiedlich hohe Ansprüche an Umwelt- und Sozialverträglichkeit eines Produkts
  • Unabhängigkeit: unternehmensintern, branchengetragen und/ oder unabhängig zertifiziert
  • Transparenz: unterschiedlich gute Einsicht in Kriterien, Prüfverfahren und Vergabeprozesse

Gefahr Verbrauchertäuschung

Die schiere Menge selbsterklärter Umweltaussagen schadet nicht nur dort, wo einzelne Produkte irreführend beworben werden. Sie kann darüber hinaus das Vertrauen in produktbezogene Umweltaussagen insgesamt untergraben. In der UBA-Studie „Valide Umweltaussage oder Greenwashing“ wurden zahlreiche Verbraucherstudien ausgewertet. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass die Vielzahl wenig transparenter oder nicht unabhängig geprüfter Umweltansprüche zu einem allgemeinen Vertrauensverlust gegenüber der Kommunikation von Unternehmen beiträgt. Dieser Vertrauensverlust kann auch auf seriöse und anspruchsvolle Umweltzeichen „abfärben“ und damit deren Orientierungsfunktion schwächen.

Testen Sie selber in Siegelwissen in der Denkwerkstatt Nachhaltiger Konsum des Umweltbundesamtes.

Änderungen durch die EmpCo

Mit der Umsetzung der EU-Richtlinie zur Stärkung der Verbraucher*innen für den grünen Wandel (EmpCo) werden die Anforderungen an umweltbezogene Aussagen und Umweltlabels deutlich strenger. Pauschale oder nicht belegte Umweltaussagen sind künftig noch klarer rechtlich angreifbar. Besonders relevant für die Gestaltung von Labels und Verpackungen ist: Zulässig sind nur noch solche Umweltzeichen, die auf einem anerkannten Zertifizierungssystem beruhen, wie beispielsweise der Blaue Engel. Außerdem wird die Verwendung von grafischen Elementen, Symbolen oder Label-ähnlichen Gestaltungen eingeschränkt, wenn diese den Eindruck eines offiziellen oder unabhängig geprüften Umweltzeichens erwecken, ohne dass eine entsprechende Grundlage besteht.

Für die Designpraxis hat das unmittelbare Konsequenzen. Unternehmen dürfen keine eigenen Umweltlabel mehr entwickeln, die wie offizielle Siegel wirken, ohne auf einem anerkannten Zertifizierungssystem zu beruhen.